Riverlangen – mal anders

riverside2016

Schon am 20. Juli begann für zwölf Schüler die Reise in die Erlanger „Sister City“ Riverside, Jeweils sechs Schüler des Ohm- und Albert-Schweitzer-Gymnasiums machten sich, noch vor Beginn der Sommerferien und in Begleitung von Frau Guthunz vom Ohm, auf den Weg, um vier Wochen lang den „American Lifestyle“ kennenzulernen.

von Lea Jaeger und Ute Guthunz

Am Flughafen in LA angekommen, ging es dann noch auf eine zweistündige Autofahrt, bis wir endlich in Riverside angekommen waren. Nach dem herzlichen Empfang durch die (dieses Jahr ganz besonderen) Gastfamilien ging es für die meisten noch auf einen nächtlichen Snack – einen echten amerikanischer Burger. Am nächsten Tag war dann die Welcome-Party mit allem Drum und Dran: Pool, roten Plastikbechern und amerikanischer Partydeko bei den Wallaces. Und dann durften wir unsere Partnerstadt kennenlernen. Zum Beispiel das Riverside Observatory, ein Planetarium, das dem Riverside Community College angeschlossen ist. Professor Scott Craig zeigte uns die Sternbilder, die wir dann später im Yosemite-Nationalpark ohne Projektoren betrachten konnten. Im Museum of Art wurden wir mit einer ganz besonderen Führung überrascht. Statt eines langweiligen Rundgangs gab es einen Zeichenworkshop, bei dem wir uns mit der Architektur des Gebäudes befassten. Bei Pizza und Cookies kamen die Erlanger und Riversider dann auch so richtig ins Gespräch. Doch am Montag stand etwas ganz Besonderes auf dem Programm – das DISNEYLAND! Hier in Anaheim bei Los Angeles entstand vor 60 Jahren der erste dieser Parks, der in diesem Jahr „Star Wars“ als besondere Attraktion bietet. Als Repräsentanten der Stadt Erlangen wurden wir mit unseren Gastfamilien beim City Council Meeting von Bürgermeister Rusty Bailey herzlich begrüßt. Karla und Michael sprachen über ihre ersten Eindrücke in Riverside, und auf die Beobachtung, dass Softdrinks in den USA noch mehr Zucker enthalten als in Europa, wurden wir tatsächlich immer wieder angesprochen. Bei dieser Gelegenheit übergaben wir ganz offiziell ein noch druckfrisches Märchenbuch von Margrit Vollertsen-Diewerge, „Meister Nano und das Weltall“, für das Erlanger und Riversider Schüler Zeichnungen angefertigt hatten. Es ist ein schönes Symbol für die Verbindung zwischen den beiden Städten. Einen ganzen Tag lang durften wir die Arbeit von verschiedenen Abteilungen des Riverside Police Departments kennenlernen. Nach der Begrüßung durch Lieutenant Shubert erklärten uns die Officers Mattson und Mendonca, wie die Ausbildung in den USA läuft und mit welchen Programmen sie jugendliche Täter wieder auf den richtigen Weg bringen wollen, z.B. mit dem Youth Court, bei dem Jugendliche als Richter, Verteidiger und Ankläger eingesetzt sind und auch ein Urteil sprechen, das dann durchgeführt wird. Spannend waren dann auch die Führung durch das Communication Center, in dem alle Meldungen eingehen, und das Training mit Videosituationen, bei denen man möglichst schnell die Übeltäter – und nicht aus Versehen eine Sekretärin oder Reinigungskraft – identifizieren und ausschalten muss. Nach einer kleinen Stärkung kamen wir dann zur den „Special Operations“, wo das SWAT Einsatzteam rund um die Uhr Dienst tut. Wir konnten selbst ausprobieren, wie verriegelte Türen geöffnet oder „less lethal weapons“ eingesetzt werden, und beobachten, wie die „K9“ (für „canine“), also die Polizeihunde arbeiten. Es war schon beeindruckend, wie schnell ein verspielt wirkender Schäferhund zu einer „Waffe“, wie sein Herrchen sagte, werden kann. Auch die Universal-Studios in LA waren ein möglicher Programmpunkt. In einer Gruppe von 25 Erlangern und Riversidern machten wir uns mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg nach Hollywood. Mit Metrolink und der Metro ist eigentlich alles gut zu erreichen, doch leider muss man ziemlich frühzeitig aufbrechen, um den letzten Zug nach Riverside zu erreichen. Die Studio-Tour dort und auch die neuen Harry-Potter-Attraktionen sowie die Stunt-Shows sind wirklich sehenswert. Nach einem langen Wochenende mit den Familien, in denen Poolparties, Strandbesuche und Shopping im Mittelpunkt standen, machte sich die Gruppe auf den Weg zum Yosemite-Nationalpark. Lisa Miller und Jack Eichler hatten die faszinierendsten Trails ausgesucht: zum Sentinel Dome, dem Glacier Point, zu den Giant Sequoias, zu den Vernal Falls und zum Olmstead Point. Erlanger und Riversider genossen die drei Tage voller Wandern, Schwimmen und am Lagerfeuer-Sitzen. Sie waren unvergesslich für alle Teilnehmer, und die Aussicht auf den Half Dome und die Wasserfälle war unglaublich und jeden Schritt wert. Doch für die Erlanger gab es nur eine kleine Verschnaufpause, denn dank Frau Guthunz und ihrem Mann, Herrn Nöth, hatten die deutschen Schüler die Möglichkeit, zu einem Kurztrip nach Berkeley, ins Silicon Valley und nach San Francisco. In der Studentenstadt Berkeley besuchten wir nach einem exquisiten Frühstück in einem kleinen Innenstadtcafé ein Startup-Unternehmen, das Absolventen der UC Berkeley gegründet haben. In winzigen Büros sitzen hier ziemlich viele Minifirmen, teilen sich Gemeinschaftsräume, die wie Bars oder Wohnzimmer eingerichtet sind, und hoffen, dass sie mit ihren Ideen Investoren begeistern können. Wir erfuhren hier nicht nur etwas über die Möglichkeiten, gesprochene Sprache blitzschnell nach bestimmten Inhalten zu durchsuchen, sondern auch über die Unterschiede zwischen Unternehmensgründungen in den USA und in Deutschland. Weiter südlich, in der Nähe von San José liegt Sunnyvale, wo wir dann nachmittags bei Microsoft erwartet wurden. In einem der Konferenzräume war einer der Chefs von OneNote von Seattle zugeschaltet, mit dem ein Gespräch über die Tablet-Klassen am Ohm-Gymnasium geführt wurde. Hierfür war von Herrn Nöth und einem Schüler auch eine Präsentation vorbereitet worden. Anschließend lernten wir dann einen der Entwickler der Hololens kennen, der extra aus dem Hauptquartier in Redmont gekommen war und uns ganz exklusiv das neue Produkt gezeigt hat. Jeder von uns durfte das Gerät aufsetzen und seine ersten Erfahrungen mit „virtual/augmented reality“ machen. Das ist wirklich nicht zu vergleichen mit irgendwelchen Gamer-Brillen, denn diese Hololens hat ihren eigenen Rechner. Die Zukunft der IT. Auf dem Rückweg fuhren wir dann noch zur Stanford-Universität und machten einen Spaziergang über den Campus. Die Figurengruppe „Die Bürger von Calais“ von Auguste Rodin lud direkt dazu ein, selbst Statuen zu spielen. Der darauffolgende Tag in San Francisco war natürlich viel zu kurz. Ein Gang über die Golden Gate Bridge war jedoch ein Muss, und dann warteten die Piers am Hafen, die Cable Cars und die Innenstadt. Die Zeit verging wie im Flug, und wir machten uns auf den Rückweg nach Riverside. Nach der Farewell-Party bei den Wallaces erwartete uns jedoch noch ein ausgefüllter Tag in Los Angeles. Wir besuchten das Museum of Tolerance, das auf eindringliche und anschauliche Weise an den Holocaust erinnert. In weiteren Ausstellungsbereichen ging es um Toleranz und um die Bürgerrechte in den USA. Nach einem Stopp bei Pink’s in West Hollywood, wo es berühmte Hot Dogs und Burgers gibt, gingen wir noch über den Walk of Fame, wo es wegen einer Filmpremiere sogar Absperrungen, Bodyguards und irgendwelche Stars vor Grauman’s Chinese Theater gab. Und dann war es auch schon wieder Zeit, sich zu verabschieden. Besonderer Dank gilt allen, die den Austausch möglich gemacht haben, denn das war eine Erfahrung fürs Leben. Ein Abenteuer, bei dem man neue Freundschaften knüpft und eine andere Kultur kennenlernt. Wenn Ihr die Chance habt, an diesem Austausch teilzunehmen, dann: Let’s get started for the Riverlangen-Adventure!riverside16