Kunst und Diskussion in München

 

Die Fahrt nach München mit dem Besuch des historischen Kollegs ist fast schon eine gute Tradition, denn seit Beginn der Veranstaltungsreihe „Blick zurück nach vorn“ haben Gruppen vom Ohm-Gymnasium diesen Podiumsdiskussionen beigewohnt. So wird einer Auswahl historisch und kulturell interessierter Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit gegeben, geschichtsträchtige Orte der bayerischen Landeshauptstadt direkt in Augenschein zu nehmen.

von Hans-Martin Kühl

Nach der Ankunft in München wurden die Schüler der neunten bis zwölften Jahrgangsstufe und die Referendare des Studienseminars Geschichte zunächst von mir über den Königsplatz geführt. Trotz eisiger Kälte kam hier die Rolle des Königsplatzes in der Zeit der Wittelsbacher Könige ebenso zur Sprache wie seine Baugeschichte, die vor allem durch den Architekten und Maler Leo von Klenze geprägt war. Die auffällige Gestaltung des Platzes bot auch Anlass, sich mit typischen Merkmalen griechischer Architektur und dem kulturellen Phänomen des Philhellenismus auseinanderzusetzen. Der Blick in das zwanzigste Jahrhundert konzentrierte die Aufmerksamkeit schließlich auf die Bedeutung, welche die Nationalsozialisten dem Königsplatz zuwiesen.
Die durchgefrorenen Teilnehmer der Fahrt wurden anschließend für ihre Geduld belohnt, indem sie sich in der Pinakothek der Moderne nicht nur aufwärmen, sondern auch Einblicke in die Kunst des Zwanzigsten Jahrhunderts gewinnen konnten.

In der Zeit des Nationalsozialismus als „entartet“ abgestempelte Bilder finden sich hier ebenso wie wichtige Werke der abstrakten Kunst und solche, welche die Entwicklung des Alltagsdesigns von der „Bauhaus“-Bewegung bis zur Gestaltung gegenwärtiger Handys und Computer nachvollziehbar machen.
Eine weitere Station des Tages stellte der Odeonsplatz mit dem angrenzenden Hofgarten, der Theatinerkirche und der Feldherrenhalle dar. Hier legte ich den Schwerpunkt auf die Bedeutung dieses Ortes für den gescheiterten  „Hitler-Ludendorff“-Putsch des Jahres 1923.
Am Marienplatz erhielt die Gruppe eine Stunde Pause, um die Fußgängerzone der bayerischen Metropole auf eigene Faust zu erkunden, bevor der Besuch der Abendveranstaltung erfolgte. Zunächst wurde die „Abordnung“ des Ohm-Gymnasiums durch den ehemaligen Lehrstuhlinhaber für Neuere Geschichte an der FAU und Generalsekretär der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Herrn Prof. Dr. Helmut Neuhaus begrüßt, bevor die eigentliche Podiumsdiskussion stattfand. Bei dieser diskutierten im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mama oder Einstein? Vorbilder im Wandel der Zeit“ die Historikerin Dr. Carina Sophia Linne mit der Teilnehmerin an den letztjährigen Paralympics, Vanessa Low, über die Frage, inwiefern Sportler als Vorbilder in der Gesellschaft dienen können. Ein kleiner Empfang rundete den Abend ab, bevor der Bus trotz inzwischen winterlicher Straßenverhältnisse Schüler und Lehrer am späten Abend wohlbehalten zurück nach Erlangen brachte.
Ein ganz besonderer Dank für diesen eindrucksreichen Tag gebührt abermals dem Historischen Kolleg, das – gefördert von der Robert-Bosch-Stiftung – diese Fahrt durch seine großzügige finanzielle Unterstützung überhaupt erst möglich gemacht hat.