In der Synagoge

Im Rahmen des Themenbereichs „Judentum“ besuchte die evangelische Religionsgruppe der 9. Klasse die Synagoge in Erlangen.

von Johanna Ebdon

Es gibt in der Rathsberger Straße wieder eine lebhafte jüdische Gemeinde. Nachdem wir von der Vorsitzenden Ester Klaus begrüßt worden waren, hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, Fragen zu stellen, die sie zuvor im Unterricht vorbereitet hatten. Diese umfassten verschiedenste Aspekte des jüdischen Lebens, der religiösen Inhalte des Judentums sowie der Glaubenspraxis. Die Klassen erfuhren so, dass in der Synagoge jeden Freitagabend (denn ein Tag endet nach jüdischer Vorstellung bei Sonnenuntergang) der Sabbat begonnen wird – mit einem Gottesdienst, aber auch einem gemeinsamen Essen. Oder dass Hebräisch-Lernen gar nicht so schwerfällt, wenn man noch ein Kind ist. Frau Klaus erzählte den Neuntklässlern außerdem von ihrer eigenen Glaubensbiographie, erklärte die jüdischen Speiseregeln und berichtete von den Herausforderungen der Erlangener Gemeinde, die als Einheitssynagoge versucht, Vertretern aller jüdischen Glaubensrichtungen eine geistliche Heimat zu sein. Vergleichbar wäre das wohl damit, wenn es in Erlangen nur eine einzige Kirchengemeinde für alle Konfessionen gäbe. Die Synagoge wird ja auch von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft besucht, die aufeinander Rücksicht nehmen müssen – sprachlich, kulturell und religiös!
Faszinierend für die Schülerinnen und Schüler waren auch der Tora-Schrein mit den kostbaren, handgeschriebenen Schriftrollen oder die jüdischen Bestattungsriten, von denen erzählt wurde. Auch die Themen Judenfeindschaft und Nahostkonflikt wurden in unserem christlich-jüdischen Gespräch nicht ausgeklammert. Die jüdische Gemeinde ist leider immer wieder Anfeindungen von Neonazis und ewig Gestrigen ausgesetzt. Frau Klaus betonte aber, wie wichtig ihr und den Mitgliedern der Dialog mit den anderen Religionen ist. Deswegen freue sie sich auch immer wieder über Besuch von Schülergruppen. Zum Zeichen dafür überreichte sie dann den Schülerinnen und Schülern eine Friedenstaube aus Bronze. Sie trägt den hebräischen Namen „Hatschuwa“, was so viel heißt wie „die Wiederkehrende“ oder „Die, die etwas Neues mitbringt“. Die Friedenstaube soll als Leihgabe für eine Zeit an das Ohm-Gymnasium gehen. Sie ist eine von 30 Skulpturen, die der Künstler Richard Hillinger zum Gedenken an die 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gestaltet hat. Seine Tauben „fliegen“ seitdem weltweit von Person zu Person und von Institution zu Institution. Die Empfänger verpflichten sich, weiterhin in ganz besonderer Weise für die Einhaltung der Menschenrechte einzustehen. Menschenrechte und interreligiöser Dialog, diese zwei Dinge gehören zusammen. Ein Engagement für beides haben die Schülerinnen und Schüler hoffentlich aus der Synagoge mitgenommen – mit der Taube im Gepäck!