Fahrt nach Flossenbürg

Kein Gute-Laune-Ausflug: Ins ehemalige Arbeitslager Flossenbürg führte uns eine Fahrt der neunten Klassen (9cd). Die Gedenkstättenführerin verschaffte uns einen Eindruck von den menschenunwürdigen Verhältnissen im KZ, wobei in Flossenbürg von 100.000 Inhaftierten etwa 30.000 umkamen. Flossenbürg in der Oberpfalz: eine Burgruine, vier Rundwanderwege, fünf Sportvereine, am Ortseingang steht in Granit gehauen „staatlich anerkannter Erholungsort“.

von Alejandro Solano und Leon Bosch, Klasse 9c

Unsere ersten Eindrücke bei der Ankunft waren, dass das ein durchschnittliches Örtchen ist, dessen grausame Vergangenheit heute kaum mehr erahnt werden kann. Es sah gar nicht nach Arbeitslager aus. Nur der Friedhof und die Holzhütten am Berg haben so eine vage Vorahnung gegeben…
1938 bauten die Nationalsozialisten in Flossenbürg wegen der reichen Granitvorkommen und der nahezu perfekten strategischen Lage (nur 20 km bis zur bayerisch-tschechischen Grenze im Osten, aus nationalsozialistischer Sicht gut im Hinblick auf die „Judenfrage“) ein Konzentrationslager. Die SS gründete eine neue Steinbruchfirma. Sie machten Gewinne von 180.000 Reichsmark im Jahr, denn sie hatten kaum Ausgaben, da die „Arbeiter“ kostenlos aus ganz Europa in die östliche Oberpfalz deportiert wurden. Später mussten die Häftlinge auch Teile für Bomber der deutschen Luftwaffe herstellen, die im 2. Weltkrieg eingesetzt wurden. Zu Kriegsende zählte das Dorf 2.000 Einwohner; dazu kamen 15.000 Häftlinge, in Baracken gepfercht. Insgesamt wurden zwischen 1938 und 1945 rund 100.000 Menschen in Flossenbürg und in mehr als 80 Außenlagern gefangengehalten. 30.000 wurden ermordet, arbeiteten sich zu Tode, verhungerten oder erfroren. Von der Gedenkstättenführerin hörten wir von den Foltermethoden des Aufsichtspersonals, von den drastischen Strafen und von Hinrichtungen. Erschütternd der Blick in die „Entlausungskammer“, wo die Häftlinge sich entblößen mussten, um sich von einem Wasserstrahl treffen zu lassen, der den gleichen Druck wie ein Feuerwehrschlauch hatte. Danach sahen wir einen kurzen Film, der die Geschehnisse aus der Sicht von Zeitzeugen darstellte.
Zum Schluss durften wir uns selber noch umschauen und unsere eigene Meinung bilden, indem wir auf eigene Faust durch das Arbeitslager und die dazugehörige Ausstellung gingen. Alles in allem fanden wir es sehr schockierend und unvorstellbar, wie man so etwas mit anderen Menschen anstellen konnte. Wir fanden, dass es eine sehr lehrreiche Führung war – interessant und pädagogisch wertvoll. Wir danken außerdem Herrn Kühl für seine guten Ergänzungen und Extra-Infos, Frau Becht für die Mitorganisation und Herrn Kühl senior für seine Bereitschaft, uns zu begleiten.