Der Autor Ronen Steinke zu Gast

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Die Pausenhalle war in den letzten beiden Schulstunden dicht besetzt: Das Ohm-Gymnasium hatte den Autor Dr. Ronen Steinke eingeladen, der vor Schülerinnen und Schülern aus den Jahrgangsstufen 9 bis 11 aus seinem 2017 erschienenen Buch „Der Muslim und die Jüdin“ las. Ermöglicht wurde diese Lesung durch die Unterstützung der VEFO und durch Mittel aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben“, das in Erlangen vom Stadtjugendring in Kooperation mit der Stadt umgesetzt wird.

von Sabine Geissel-Karl

Ronen Steinke erzählt in seinem Buch eine ungewöhnliche Geschichte aus der Zeit des Nationalsozialismus: Mohammed Helmy, ein muslimischer Arzt, der in Berlin praktiziert, rettet das jüdische Mädchen Anna Boros vor den Nazis, indem er sie als seine Nichte ausgibt.
Helmys Handeln war getrieben von der Idee der Humanität, und er war klug und dreist genug, die Nazis an der Nase herumzuführen. Mit unglaublichem Mut, Selbstbewusstsein und immer gewagteren Täuschungsmanövern – das verriet Steinke gegen Ende seiner Lesung – schaffte es Helmy tatsächlich, die Jüdin Anna durch den Krieg zu retten und ihr damit einen Neubeginn in den USA zu ermöglichen.
Im anschließenden Gespräch mit den Schülern erklärte Steinke, dass er mit Geschichten von Mut und Widerstand einen anderen Zugang zur Thematik des Nationalsozialismus vermitteln und vor allem positive, ermutigende Beispiele aufzeigen wolle.
Auf die Frage, was wir für unser eigenes Handeln lernen können, antwortete Steinke, die Geschichte zeige deutlich, wie sehr uns unsere Vorurteile einengen, und daher ist es so wichtig, diese Fesseln durch Toleranz zu sprengen.
Die Zuhörer drückten ihre Zustimmung durch anhaltenden Beifall aus. Dass sie von der Geschichte gebannt waren, wurde deutlich durch eine lange Schlange am Büchertisch, wo man sich von Ronen Steinke das neu erstandene Exemplar signieren lassen konnte. Eine lohnenswerte Veranstaltung also und eine unbedingte Leseempfehlung für das Buch!
Zur Person des Autors: Ronen Steinke wurde 1983 in Erlangen geboren; er besuchte das Willstätter-Gymnasium in Nürnberg und studierte anschließend Rechtswissenschaft und Kriminologie in Hamburg und Tokio. Im Anschluss arbeitete er in Anwaltskanzleien, einem Jugendgefängnis und am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien. 2011 wurde er mit einer Arbeit über Kriegsverbrechertribunale von 1945 bis heute zum Dr. iur. promoviert. 2011 kam Dr. Ronen Steinke zur Süddeutschen Zeitung, zunächst als Redakteur im Ressort Außenpolitik mit Zuständigkeit für den Nahen Osten, dann als Korrespondent mit Sitz in Berlin für die Themen Nachrichtendienste und innere Sicherheit.lesung2